Wissen und Erfahrungen von Lehrkräften im Kontext von Kinderschutz und Kindeswohlgefährdung

Eine qualitative Interviewstudie mit Grundschullehrkräften zum Umgang mit dem Konzept BiG – „Beratung in Grundschulen“

Autor/innen

  • Margit Stein Universität Vechta
  • Benjamin Möbus Universität Vechta
  • Linda Miller Universität Vechta

DOI:

https://doi.org/10.11576/pflb-8926

Schlagworte:

Kinderschutz, Kindeswohl, Kindeswohlgefährdung, Schule, Grundschule, Lehrkraft

Abstract

Die qualitative Interviewstudie untersucht Wissen, Erfahrungen und Unterstützungsbedarfe von Grundschullehrkräften im Kontext von Kinderschutz und Kindeswohlgefährdung, mit besonderem Fokus auf das NRW-Programm Beratung in Grundschulen (BiG). Ausgangspunkt ist die gesetzlich verankerte Schutzpflicht (§ 8a SGB VIII und § 4 KKG), die Lehrkräfte verpflichtet, bei Verdachtsmomenten angemessen zu handeln. Die Ergebnisse zeigen, dass Lehrkräfte potenzielle Gefährdungen überwiegend an körperlichen Anzeichen festmachen, während subtile Verhaltensänderungen oder emotionale Vernachlässigung seltener erkannt werden. Besonders im Bereich sexualisierter Gewalt bestehen große Unsicherheiten; einige Lehrkräfte können keine Anzeichen benennen. Schutzpläne sind nicht flächendeckend etabliert oder werden im Alltag wenig beachtet. Das Wissen über das Bundeskinderschutzgesetz ist teils lückenhaft. Fortbildungen sind ungleich verteilt; viele Lehrkräfte stützen sich auf Berufserfahrung oder Intuition statt auf systematisch erworbenes Fachwissen. Positive Erfahrungen bestehen mit Beratungsstellen, insbesondere mit der BiG-Beratung, die als niedrigschwellige Schnittstelle zwischen Schule und Jugendamt fungiert. Sie unterstützt bei Fallbesprechungen, vermittelt weiterführende Hilfen und kann an Elterngesprächen teilnehmen. Einschränkungen ergeben sich durch begrenzte Ressourcen, fehlende Schulsozialarbeit und regionale Unterschiede im Zugang. Die Studie empfiehlt, Kinderschutzthemen verpflichtend in der Lehramtsausbildung zu verankern, Schutzpläne bzw. -konzepte regelmäßig zu thematisieren und Kooperationen mit Jugendämtern sowie Beratungsstellen auszubauen. Die BiG-Beratung sollte flächendeckend gestärkt werden, um Lehrkräfte in ihrer Schutzfunktion nachhaltig zu unterstützen.

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Veröffentlicht

2026-05-12

Zitationsvorschlag

Stein, M., Möbus, B., & Miller, L. (2026). Wissen und Erfahrungen von Lehrkräften im Kontext von Kinderschutz und Kindeswohlgefährdung: Eine qualitative Interviewstudie mit Grundschullehrkräften zum Umgang mit dem Konzept BiG – „Beratung in Grundschulen“. PraxisForschungLehrer*innenBildung. Zeitschrift für Schul- Und Professionsentwicklung. (PFLB), 8(1), 26–55. https://doi.org/10.11576/pflb-8926